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Expertenrat: Grundlagen der Teamentwicklung

02.02.2024 von Vreny Blanco · 7 min Lesezeit · Interviews, Teamarbeit

Dr. Veneta Slavchova
Bild mit Genehmigung von Dr. Veneta Slavchova

In jedem dynamischen Arbeitsumfeld ist der Aufbau und die Aufrechterhaltung eines gut funktionierenden Teams entscheidend für den Erfolg. Teams sind mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, von Kommunikationsproblemen bis hin zur Konfliktlösung, die proaktiv angegangen werden müssen.

Um Perspektiven und Tipps zum Thema Teamarbeit und Teamentwicklung zu erhalten, habe ich erneut mit der Gesundheits- und Rehabilitationspsychologin Frau Dr. Veneta Slavchova gesprochen. In unserem letzten Interview erläuterte Frau Dr. Slavchova die Anzeichen von Burnout und gab wertvolle Tipps zur Burnout-Prävention und zur Stärkung der beruflichen Resilienz.

Heute sprechen wir über die wichtigsten Aspekte der Teamentwicklung. Diese Ausgabe von Frag den Experten bietet dir wertvolle Strategien zur Konfliktlösung, Kommunikationsförderung und Schaffung eines motivierenden Arbeitsumfelds, das die Produktivität steigert.

Was ist Teamentwicklung?

Der Wunsch nach harmonischen und effektiv arbeitenden Teams ist weit verbreitet unter Führungskräften, Arbeitgebern und Personalverantwortlichen. Leider sieht die Realität in vielen Unternehmen oft anders aus. Zwischenmenschliche Konflikte, unklare Rollenverteilung, Missverständnisse in der Kommunikation und diffuse Verantwortlichkeiten können zu herausfordernden Situationen führen. Dies wiederum kann zu Demotivation der Teammitglieder, erhöhtem Stresserleben, Überlastung einzelner Teammitglieder, ineffizienten Arbeitsabläufen sowie zu hohen Fehlzeiten und Fluktuationen in Zeiten des Fachkräftemangels führen.

Besondere Herausforderungen ergeben sich zudem aus der Digitalisierung, der Einführung hybrider Arbeitsmodelle mit Wechsel zwischen Home Office und Büro sowie der verstärkten Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams.

Als Gesundheits- und Rehabilitationspsychologin beobachte ich oft, dass in dysfunktionalen Teams oft eine Häufung von Fehlzeiten zu beobachten ist. Soll heißen, dass die problematische Arbeitsumgebung nicht nur Ressourcenverschwendung ist, sondern auch krank macht. Hier kann eine gezielte Teamentwicklung helfen – dies gehört zum Angebotsportfolio von ASK Consulting.

Teamentwicklung ist vor diesem Hintergrund ein Prozess, in dem eine Gruppe von Menschen im Arbeitskontext zusammenarbeitet, um besser miteinander auszukommen, effizienter zu arbeiten und bessere Ergebnisse zu erzielen. Dabei geht es darum, die Beziehungen im Team zu stärken, Kommunikation zu verbessern, Konflikte zu lösen und sicherzustellen, dass jedes Teammitglied sein Bestes geben kann.

Das heißt für unsere Beratungspraxis, dass Teamentwicklung immer einen Anlass, ein Ziel und ein Ergebnis braucht. Teamentwicklung ist damit nie Selbstzweck, sondern richtet sich ganz konkret nach den individuellen Bedarfen im Unternehmen. Hier legen wir bei ASK Consulting ein großes Augenmerk darauf, genau hinzuschauen, was braucht das Team überhaupt?

Kollegen geben sich einen Faustschlag
Bild von Freepik

Welche Faktoren beeinflussen die Entwicklung eines effektiven Teams?

Wenn wir ein neues Team begleiten, achten wir auf verschiedene Aspekte, durch die ein effektives und harmonisches Arbeitsteam geschaffen werden kann. Zu unserer Checkliste gehört auszugsweise, ob klare Ziele definiert wurden, Aufgaben verständlich festgelegt sind, ob die Kommunikation im Team gut funktioniert und ob die Teammitglieder miteinander gut kommunizieren und einander vertrauen. Dazu gehört beispielsweise, inwieweit klare Rollen und Verantwortlichkeiten festgelegt sind – ist die Führung gut positioniert? Und: Wie wird mit den verschiedenen Perspektiven und Fähigkeiten im Team umgegangen, gibt es eine angemessene Konflikt- und Fehlerkultur, kann das Team im Arbeitsalltag flexibel und anpassungsfähig auf neue Herausforderungen reagieren?

All das sind konkrete Ansatzpunkte, um im Rahmen der Teamentwicklung positive Veränderungen zu erreichen. Je nach Bedarf führen wir dann zum Beispiel Workshops durch, um die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern zu verbessern.

Wie kann die Kommunikation in Teams verbessert werden?

Wenn es an der Kommunikation in Teams hapert, kann das viele Gründe haben. In der Beratungspraxis gucken wir zunächst, ob die Strukturen oder die Teammitglieder:innen ursächlich für schlechte Kommunikation sind. Systemisch gesehen können zum Beispiel unklare Teamstrukturen eine Hürde darstellen. Schlecht ist es, wenn beispielsweise nicht klar definiert ist, wie die Arbeitsabläufe aussehen (fehlende Standardisierung) und welche Schnittstellen bzw. Absprachen im Team wichtig sind, um die Aufgaben effektiv lösen zu können. Ist das der Fall, dann gilt es, die Strukturen zu optimieren.

Mitunter haben Teammitglieder:innen aber auch festgefahrene Kommunikationsstrukturen. Klassisches Problem ist es, dass um einen eigentlich leicht zu klärenden Sachverhalt eine regelrechte „E-Mail-Schlacht” entbrennt. Da haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein persönliches Gespräch schnellere und effektivere Klärung bringen kann, weil das Gegenüber hier schlichtweg leichter und mit weniger Potenzial für Missverständnisse zu verstehen ist.

Bei ASK Consulting bieten wir außerdem Trainings sozialer Kompetenzen im Berufsleben für Unternehmen an. Wir alle sind in verschiedenen sozialen Kontexten mehr oder weniger sozial kompetent. Deswegen können alle Teams davon profitieren, an ihren sozialen Kompetenzen zu arbeiten. So hilft es Betroffenen, sich noch einmal klar vor Augen zu führen, wie man in unterschiedlichen sozialen Situationen am Besten und für das Gegenüber am Nachvollziehbarsten zum Ziel kommt.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Vorteile eines gut funktionierenden Teams?

Gut funktionierende Teams können von zahlreichen Vorteilen profitieren. Das Thema Teamarbeit ist wissenschaftlich gut untersucht und es gibt zahlreiche Studien, die verschiedenste Vorteile benennen, dazu gehört zum Beispiel:

  1. effektive Zusammenarbeit
  2. mehr Kreativität
  3. gesteigerte Effizienz und effektivere Prozesse
  4. niedrigere Fehlerquote und zuverlässige Aufgabenerledigung
  5. weniger Missverständnisse in Teams (insbesondere bei interdisziplinären Teams)
  6. höhere Motivation der Gruppe und des Einzelnen
  7. Nutzung von Synergieeffekte („Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile")
  8. Schaffung von produktiven Lernumgebungen
  9. positive Arbeitsumgebungen
  10. weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation und langfristige Beschäftigungsverhältnisse

Es lohnt sich deswegen aus meiner Sicht, in die Teamentwicklung zu investieren, um in den Genuss dieser zahlreichen Vorteile zu kommen.

ASK Team
Bild mit Genehmigung von Dr. Veneta Slavchova

Welche Strategien empfehlen Sie, um ein Team effektiv zu motivieren und zu fördern?

Der Führungskraft des Teams kommt eine ganz wesentliche Schlüsselrolle zu. Wenn die Führungskraft motivierend und stressresistent vorangeht, dann ist das der beste Nährboden für ein zufriedenes und glückliches Team. Das setzt aber voraus, dass die Führungskraft genügend psychische Widerstandsfähigkeit bzw. berufliche Resilienz mitbringt. Auch die Resilienz kann man gezielt steigern – dazu bieten wir ein Resilienz-Mentoring für (Nachwuchs-)Führungskräfte an.

Strategisch kann die Führungskraft beispielsweise regelmäßige Teamsitzungen einplanen, in denen die Teamstrukturen und die aktuelle Stimmung thematisiert werden. So merkt das Team, dass es einen bewussten Raum gibt, in dem es zu einem Austausch über die Teamdynamik kommt. Diese Sitzungen sollten immer unter einer Leitfrage stehen: Was lief gut im Team, was kann besser laufen? Wichtig ist, dass die Ergebnisse entsprechender Sitzungen tatsächlich auch Konsequenzen nach sich ziehen. Es gibt nichts demotivierenderes als die Erkenntnis, dass solche Sitzungen nichts anderes als heiße Luft sind.

Wenn die Führungskraft motivierend und stressresistent vorangeht, dann ist das der beste Nährboden für ein zufriedenes und glückliches Team.

Wie kann die Leistung eines Teams gemessen und bewertet werden?

Was gute Leistung im Team auszeichnet, hängt stark vom Aufgabenbereich des Teams ab. In Frage kommt zum Beispiel die Anzahl an Vertragsabschlüssen, Kundenzufriedenheit, Geschwindigkeit der Aufgabenbearbeitung, schnelle und fehlerfreie Produktentwicklung und vieles mehr.

Ganz wichtig ist es, die Leistungsparameter des Teams vorab transparent und nachvollziehbar festzulegen. Unklare Ergebniserwartungen an Teams führen zu Verunsicherung, Unzufriedenheit und Misstrauen.

Wie können Konflikte im Team erkannt und erfolgreich gelöst werden?

Hier ist die Haltung der Führungskraft und die Unternehmenskultur ausschlaggebend. Ist die Führungskraft einfühlsam und sensibel, deckt sie schnell Konflikte auf. Beim Konfliktmanagement ist es wichtig, dass die Führungskraft moderierend auftritt und darauf achtet, eine ausgewogene Position einzunehmen. Das übergeordnete Ziel sollte darin bestehen, eine konstruktive und nachhaltige Lösung zur Überwindung entsprechender Konflikte zu identifizieren. Das geht auf keinen Fall zwischen „Tür und Angel”. Bei der Problemlösung braucht es Raum und Zeit, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Wenn sich die Fronten verhärtet haben, dann kann die Inanspruchnahme einer externen Moderation hilfreich sein.

Beim Konfliktmanagement ist es wichtig, dass die Führungskraft moderierend auftritt und darauf achtet, eine ausgewogene Position einzunehmen.

Haben Sie noch einen Rat für die Leser?

Harmonische Teams machen Spaß und sind effektiv. Deswegen sollten Konflikte und Probleme im Team nicht ignoriert, sondern gezielt thematisiert werden.

ASK Logo
Bild mit Genehmigung von Dr. Veneta Slavchova

Danksagung

Herzlichen Dank an Frau Dr. Veneta Slavchova für das aufschlussreiche Interview und die geteilten Einblicke in die Teamentwicklung.

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