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Expertentipps zur Verbesserung der psychischen Gesundheit

12.09.2023 von Vreny Blanco · 8 min Lesezeit · Interviews, Psychische Gesundheit

Kate Otte
Bild mit Genehmigung von Kate Otte

Willkommen zur sechsten Ausgabe unserer Artikelserie Frag den Experten. In der vierten Ausgabe sprach ich mit Psychologin und Performance-Coach Kate Otte über den Zusammenhang zwischen Psyche, Sport und Gesundheit. Heute geht es um die psychische Gesundheit. Dazu habe ich mich erneut mit Kate zusammengesetzt, um eine Expertenmeinung zu diesem wichtigen Thema einzuholen.

In diesem Artikel erfährst du, wie Gedanken und Gefühle dein Verhalten beeinflussen und wie du deine Ziele aktiv steuern kannst. Außerdem erhältst du Tipps, wie du deine psychische Gesundheit stärken und besser mit Zweifeln, Ängsten und Stress umgehen kannst.

Los geht’s!

Kate, wie können wir uns selbst besser verstehen?

Indem wir lernen zu verstehen, wie wir denken.

Unser Verhalten ist ein Resultat aus unseren Gefühlen und unseren Gedanken, wobei unsere Gefühle ihrerseits ein Resultat unserer Gedanken sind bzw. mit diesen in Wechselwirkung stehen.

Menschliches Verhalten ist immer zielgerichtet: Es geht immer darum, Freude zu empfinden und – noch wichtiger – Schmerz zu vermeiden. Was wir in einer spezifischen Situation empfinden und wie wir uns daraufhin verhalten, wird somit nie durch die Situation an sich bedingt, sondern immer durch unsere Interpretation der Situation, durch unsere Gedanken.

Welche Gedanken uns in einer bestimmten Situation durch den Kopf gehen, hängt einerseits von unserer internalen Repräsentation der Situation, welche wiederum auf unseren direkten und indirekten Erfahrungen und auf unseren Wertevorstellungen beruht, und andererseits von unserem physiologischen Zustand ab. Hier wird wieder einmal deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel von Körper und Geist ist!

Mit der richtigen Herangehensweise kann man nicht nur lernen, sich selbst besser zu verstehen, sondern auch, seine Gefühle und Handlungen auf die eigenen Ziele und Wünsche ausgerichtet zu steuern – das ist im Prinzip das, woran ich täglich mit meinen KlientInnen arbeite.

Wichtig sind dabei unter anderem eine kontinuierliche Selbstreflexion, die Identifizierung der eigenen Stärken und Potenziale, das Einholen ehrlichen Feedbacks sowie die Wahrnehmung und das Verständnis der eigenen Emotionen. Durch das stetige Durchlaufen dieser Schritte wird langfristige Veränderung und persönliches Wachstum möglich – sowohl körperlich als auch mental. Gerade auf dem Weg zum „selbstbewusstsein“ kann es sinnvoll sein, sich durch einen gut ausgebildeten und erfahrenen Coach oder Mental-Trainer unterstützen zu lassen.

Vergiss nicht: Sobald du die Verantwortung für dein Leben übernimmst, hast du die Chance, es zu gestalten.

Kate Otte
Bild mit Genehmigung von Kate Otte

Wie kann man seine psychische Gesundheit verbessern?

  • Achte auf deine Selbstfürsorge und pflege deine körperliche und mentale Gesundheit bewusst.
  • Lerne, auf deinen Körper zu hören und auf positive Weise mit Herausforderungen umzugehen (Reframing).
  • Baue dir ein starkes soziales Netzwerk auf; das gibt dir Halt, Support und Sicherheit.
  • Setze dir klare Ziele und arbeite kontinuierlich an deiner persönlichen Entwicklung.
  • Zögere nicht, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen – Denke immer daran: Du bist das Wichtigste in deinem Leben!
  • Lerne, Prioritäten und klare Grenzen zu setzen, um Überlastung zu vermeiden.
  • Praktiziere positive Selbstgespräche und feiere deine Erfolge, egal wie klein sie dir erscheinen mögen.

Sich selbst zu verstehen ist die entscheidende Voraussetzung für persönliches Wachstum und Erfolg.

Wie kann man Zweifel und Ängste überwinden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Zweifel und Ängste zu überwinden, zum Beispiel:

  • Ambivalenz verstärken: z. B. durch das Erstellen von Pro- und Contra Listen.
  • Relevanz und Dringlichkeit der Entscheidung, der Erledigung der Aufgabe und/oder der Überwindung der Angst vor Augen führen.
  • Selbstwirksamkeit stärken: Frühere Erfolge in ähnlichen Situationen. Wie haben andere diese Situation gemeistert?
  • Realitätscheck: Was kann im schlimmsten Fall passieren? Wie schlimm wäre es wirklich?
  • Exposition: „Just do it." – klingt hart, ist aber immer noch der effizienteste Weg :)

Welche Auswirkungen hat die zunehmende Nutzung digitaler Technologien auf unsere psychische Gesundheit?

Veränderte Kommunikationsstruktur

Digitale Plattformen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen auszutauschen, gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr der sozialen Isolation. Übermäßige Online-Aktivität kann zu sozialer Isolation führen, wenn persönliche Interaktionen vernachlässigt werden (z. B. wenn Influencer als „Freundesersatz“ angesehen werden).

Cybermobbing

Die Anonymität des Internets kann zu Cybermobbing und anderen Formen von Online-Stress führen, was wiederum negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.

Informationsflut

Das Internet bietet einen einfachen Zugang zu wertvollen Informationen zum Thema psychische Gesundheit sowie zu Informationen über Therapiemöglichkeiten und zu Unterstützungsangeboten wie Online Coaching und Selbsthilfegruppen. Damit einher geht aber auch das Problem der Reizüberflutung. Die Flut an Informationen, der wir täglich ausgesetzt sind, kann schnell zu Überforderung führen. Auch stellt sich immer wieder die Frage nach der Seriosität von Aussagen und Angeboten.

Vergleich mit anderen

Der Vergleich mit anderen über Social Media (insbesondere auch mit Influencern) kann zu unrealistischen Ansprüchen und Erwartungen und daraus resultierend u.a. zur Entwicklung folgender Probleme führen:

  • Gestörtes Selbstbild.
  • Verzerrter Realitätsbezug (was ist echt, was ist fake?)
  • Sozialer Druck: Dem erdrückenden Gefühl, den sozialen Ansprüchen genügen bzw. dem teils unrealistischen Schönheitsideal entsprechen zu müssen.

Erreichbarkeit

Immer erreichbar zu sein ist Fluch und Segen zugleich. Besonders im Arbeitskontext kann die durch moderne Medien gegebene 24/7 Erreichbarkeit zu Stress, Druck und Überforderung führen.

Schlafstörungen

Die Nutzung digitaler Medien vor dem Schlafengehen kann sich negativ auf unseren Schlaf auswirken. Das blaue Licht von Bildschirmen kann die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigen und den Schlaf-Wach-Rhythmus stören.

Internetsucht

Die Nutzung digitaler Technologien, insbesondere von sozialen Medien oder Videospielen, kann süchtig machen!

Zwischenfazit

Bitte verstehe mich nicht falsch – ich bin ein großer Fan digitaler Technologien und nutze das Internet selbst mehrere Stunden täglich. Die Möglichkeiten die uns der technische Fortschritt bietet sind großartig und aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken! Was ich einfach nur nochmal betonen möchte ist, dass man bei der Nutzung digitalen Technologien, insbesondere des Internets, bedacht vorgehen sollte.

Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen, den Realitätsbezug nicht zu verlieren und bei der Informationssuche stets auf die Verlässlichkeit der Quellen zu achten und Aussagen kritisch zu hinterfragen.

Kate
Bild mit Genehmigung von Kate Otte

Wie kann man ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben finden?

Indem man:

  • Klare Grenzen setzt.
  • Zeit priorisiert.
  • Flexible Arbeitsmöglichkeiten nutzt.
  • Regelmäßige Pausen einplant.
  • Lernt, nein zu sagen.
  • Arbeit und Privatleben räumlich trennt.
  • Die eigene Gesundheit (psychisch und physisch) an erste Stelle stellt.
  • Achtsamkeit übt.
  • Ausgleich schafft.
  • Lernt, mental loszulassen.

Wichtig ist, sich kontinuierlich selbst zu reflektieren und die eigene Gesundheit (physisch und psychisch) IMMER an erste Stelle zu stellen!

Wie managst du Stress?

Wenn ich gestresst bin:

  • Optimiere ich mein Zeitmanagement.
  • Behalte ich einen klaren Kopf.
  • Mache ich „eins nach dem anderen“: Die wichtigen und dringenden Aufgaben zuerst – auch wenn das oft die unangenehmsten sind.
  • Behalte ich meine Ziele im Auge.
  • Mache ich Sport und immer wieder kurze Spaziergang, um den Kopf frei zu kriegen und neue Energie zu tanken.

Ich vermeide Stress durch:

  • Effizientes Zeitmanagement.
  • Einen klaren Überblick über meine Aufgaben.
  • Eine angemessene Aufteilung meiner Aufgaben.
  • Regelmäßige aktive Pausen.
  • Den Austausch mit meinem Freund, auch im Sinne einer guten Aufgabenverteilung.
  • Die angemessene Einschätzung meiner Kapazitäten.
  • Mein Motto bei der Arbeit: Qualität vor Quantität (z. B. bei der Annahme neuer Aufträge).

Was machst du zum Ausgleich, um Energie zu tanken?

Sport! Das Training gibt mir in der Hinsicht wahnsinnig viel. Es hilft mir, Stress abzubauen und den Kopf freizukriegen, das gibt mir jedes Mal einen richtigen Energiekick! Außerdem liebe ich es, spazieren zu gehen! Beim Laufen in der freien Natur – oder auf dem Walking Pad – kommen mir meistens die besten Ideen!

Zudem mache ich bewusste Pausen, in denen ich mich mit anderen Themen beschäftige oder mit Freunden treffe. Ausreichend Schlaf und eine gesunde, meinen Bedarf deckende Ernährung sind selbstverständlich ebenfalls super wichtiger Faktor! Das setze ich als Performance Coach für mich und meine KlientInnen (ebenso wie das tägliche ausreichende Maß an Bewegung) voraus.

Ich schlafe 6,5 bis 7 Stunden. Nach dieser Zeit fühle ich mich ausgeruht und energiegeladen – zu wenig schlaf ist nichts, zu viel tut mir aber auch nicht gut! Wichtig: Wie viel Schlaf eine Person braucht um sich fit und erholt zu fühlen ist super individuell!

Hast du weitere Tipps für die Leser?

Werde dir deiner selbst bewusst, reflektiere deine Ziele, deine Entscheidungen und dein Verhalten kontinuierlich, übernehme die Verantwortung für dein Leben und stelle deine eigene physische und psychische Gesundheit IMMER an erste Stelle – sie ist die essentielle Basis all deiner Erfolge!

Habe keine Angst davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du nicht weißt, wie du in deiner individuellen Situation vorgehen solltest und/oder das Gefühl hast, alleine keine langfristige Veränderung bewirken zu können! Es geht um Dich, um Deine Lebensqualität, um Dein Wohlbefinden! Du bist das wichtigste in Deinem Leben! Warum investierst du so viel in andere Dinge und so wenig in Dich? Mache dir mal Gedanken darüber :)

Sobald du die Verantwortung für dein Leben übernimmst, hast du die Chance, es zu gestalten.

Fazit

In diesem Artikel haben wir über die Bedeutung der mentalen Gesundheit gesprochen und wie sie unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung beeinflusst. Das Interview mit der Psychologin und Performance-Coach Kate Otte hat uns gezeigt, wie wir uns selbst besser verstehen und unsere mentale Gesundheit verbessern können. Selbstreflexion, klare Ziele, positive Selbstgespräche und Selbstfürsorge sind dabei hilfreiche Mittel.

Die zunehmende Nutzung digitaler Technologien kann sich sowohl positiv als auch negativ auf unsere psychische Gesundheit auswirken. Das Internet bietet wertvolle Informationen und Unterstützung, kann aber auch Stress verursachen, insbesondere durch Reizüberflutung und Vergleiche über soziale Medien.

Unsere psychische Gesundheit ist entscheidend für unser Wohlbefinden. Indem wir uns selbst besser verstehen und gesunde Gewohnheiten entwickeln, können wir unser Leben ungemein verbessern. Professionelle Unterstützung kann uns dabei helfen, unser volles Potenzial zu erkennen und zu nutzen.

Handgezeichnetes Achtsamkeitskonzept mit Charakteren
Bild von pikisuperstar auf Freepik

Danksagung

Wir danken Psychologin und Performance-Coach Kate Otte für ihre lehrreichen Einblicke in das Thema der mentalen Gesundheit. Wenn du unter psychischen Problemen leidest, zögere nicht, Kate zu kontaktieren.

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